Premier League 2026-27: Der Auftakt in eine neue Ära
An diesem Freitag, dem 21. August, hebt sich um 21:00 Uhr im Emirates Stadium der Vorhang für die Premier League 2026-27. Symbolträchtiger könnte die Auftaktpaarung kaum sein: Arsenal, zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder Meister, empfängt das Coventry City von Frank Lampard — einen Aufsteiger, der ein Vierteljahrhundert lang auf die Rückkehr in die Eliteklasse warten musste. Zwischen Freitag und Montag steigen die zehn Partien eines ersten Spieltags, der die Saison mit den meisten Umbrüchen eröffnet, an die man sich in England erinnern kann.
Dass der Ball später rollt als gewohnt, hat einen simplen Grund: die in diesem Sommer in Nordamerika ausgetragene Weltmeisterschaft, die am 19. Juli mit Spaniens Titelgewinn endete. Die englische Liga wartete bis zum 21. August, um den Nationalspielern Luft zu verschaffen — und trotzdem gehen mehrere Teams mit Profis in den Auftakt, die gerade erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen sind.
Ein neuer Meister und eine umgekrempelte Tabelle
Arsenal verteidigt den Titel, den die Gunners mit 85 Punkten holten — sieben mehr als Manchester City, bei einer Bilanz von 26 Siegen, 7 Unentschieden und 5 Niederlagen. Es war die vierte englische Meisterschaft der Klubgeschichte und die erste seit den Zeiten der Invincibles. Dahinter reihten sich City mit 78 Punkten, das Manchester United von Michael Carrick mit 71, Aston Villa mit 65 und Liverpool mit 60 Zählern ein — die niedrigste Punktzahl der Geschichte für eine Champions-League-Qualifikation über die Tabellenplatzierung. Absteigen mussten die Wolves, Burnley und mit West Ham ein Traditionsverein, dessen Schicksal sich erst am letzten Spieltag besiegelte.
Die Liga der neuen Trainerbänke
Der lauteste Coup des Sommers war kein Transfer, sondern ein Abschied: Pep Guardiola verließ Manchester City nach einem Jahrzehnt und rund zwanzig Titeln, und der Klub bereitet bereits seine Statue vor. Sein Nachfolger ist Enzo Maresca, der für drei Spielzeiten unterschrieb und Chelsea mitten in der Vertragslaufzeit verließ. Die Londoner reagierten und holten Xabi Alonso, der Real Madrid im Januar nach weniger als einem Jahr im Amt verlassen hatte.
Die Liste geht weiter. Liverpool trennte sich wegen der verkorksten Titelverteidigung von Arne Slot und verpflichtete Andoni Iraola, der Bournemouth zuvor auf Rang sechs geführt hatte. Manchester United bestätigte Michael Carrick als festen Cheftrainer mit Vertrag bis 2028, nachdem der Interimscoach 11 Siege aus 16 Spielen und Platz drei geliefert hatte. Fulham setzt auf Álvaro Arbeloa, der in der zweiten Hälfte der Vorsaison Real Madrid betreut hatte und am Montag ausgerechnet gegen das Chelsea von Xabi Alonso debütiert. Und in Newcastle endete die Ära von Eddie Howe: Matthias Jaissle übernimmt. Neue Trainer begrüßen unter anderem auch Bournemouth, Crystal Palace, Nottingham Forest und Ipswich.
Der 1. Spieltag, Partie für Partie
- Freitag, 21. August: Arsenal – Coventry City (21:00 Uhr)
- Samstag, 22. August: Hull City – Manchester United (13:30 Uhr), Everton – Crystal Palace, Ipswich – Sunderland und Nottingham Forest – Leeds (16:00 Uhr), Brentford – Tottenham (18:30 Uhr)
- Sonntag, 23. August: Brighton – Aston Villa und Manchester City – Bournemouth (15:00 Uhr), Newcastle – Liverpool (17:30 Uhr)
- Montag, 24. August: Fulham – Chelsea (21:00 Uhr)
Der Leckerbissen des Sonntags ist Newcastle gegen Liverpool — zwei Projekte, die mit dem Stand vom Mai praktisch nichts mehr gemein haben. Und Marescas City-Debüt gegen Bournemouth kommt mit einer gewaltigen Lücke im Zentrum daher: Der Klub hat Rodri soeben an den FC Barcelona verkauft.
Drei Aufsteiger mit Geschichte im Gepäck
Coventry stieg mit Lampard auf der Bank als Meister der Championship auf und kehrt nach 25 Jahren in die Eliteklasse zurück. Ipswich gelang die sofortige Rückkehr nach dem Abstieg: Platz zwei wurde am letzten Spieltag mit einem 3:0 gegen QPR besiegelt. Und Hull City gewann das Play-off-Finale gegen Middlesbrough durch ein Tor von Oli McBurnie in der 95. Minute — eines dieser Enden, die den Ruf vom teuersten Spiel der Welt rechtfertigen. Alle drei gelten in den Statistikmodellen als Abstiegskandidaten, doch Lampard hielt bei der Pressekonferenz an diesem Mittwoch dagegen: Er sei hungriger denn je, sagte er, und verwies auf Sunderland und Leeds, die Aufsteiger, die sich in der Vorsaison gerettet hatten, als Vorbild.
Der Sommer des großen Geldes
Die Premier League hat in diesem Sommer bereits die Marke von 2,1 Milliarden Pfund an Ausgaben überschritten und steuert auf ihren historischen Rekord zu. Chelsea sprengte die britische Bestmarke und überwies 117 Millionen Pfund an Aston Villa für Morgan Rogers, mit England Halbfinalist der WM. City hatte Tage zuvor fast dasselbe getan: 116 Millionen an Nottingham Forest für Elliot Anderson, Rekord der Klubgeschichte. Arsenal rüstete den Meister mit Newcastle-Kapitän Bruno Guimarães für 75 Millionen auf, und Tottenham brach den eigenen Rekord binnen weniger Tage gleich zweimal: 85 Millionen für Mateus Fernandes, 92,5 für Sandro Tonali.
Der Fall Newcastle verdient ein eigenes Kapitel: Die Magpies verkauften Tonali, Guimarães und Anthony Gordon — Letzteren an den FC Barcelona — für rund 236 Millionen Pfund in nur neun Wochen. Und an der Anfield Road schmerzt ein Abschied ganz besonders: Mohamed Salah wechselte nach neun Jahren und 257 Toren ablösefrei zum türkischen Klub Trabzonspor.
Neue Regeln und die Ausfälle zum Auftakt
Die Saison bringt drei Regeländerungen mit sich: Wird das Spiel wegen der Verletzung eines Torhüters unterbrochen, muss dessen Team nach der Fortsetzung vorübergehend einen Feldspieler herausnehmen; der VAR darf künftig eingreifen, wenn es um die Frage geht, ob der Ball im Aus war, sowie bei klar irrtümlichen Gelb-Roten Karten; und das Ziehen an den Haaren wird ausdrücklich geahndet, bei übermäßiger Härte mit Rot. Beim Personal gilt: Der Meister muss zum Auftakt auf die verletzten William Saliba und Jurriën Timber verzichten, und Chelsea kann beim Gastspiel in Fulham den gesperrten Wesley Fofana nicht aufbieten.
Wer als Favorit ins Rennen geht
Das Opta-Modell verteilt die Titelchancen wie folgt: Arsenal 38 Prozent, Manchester City 20,5, Liverpool 9,2, Manchester United 6,2 und Aston Villa 4,8. Am anderen Ende der Tabelle zeigt dasselbe Modell auf die drei Aufsteiger: Hull mit 38,7 Prozent Abstiegswahrscheinlichkeit, Ipswich mit 31,2 und Coventry mit 27,9. Die jüngere Vergangenheit, in der sich Sunderland und Leeds komfortabel retteten, mahnt allerdings: Auch Modelle können irren.
"Ein Meister, der 22 Jahre lang keiner mehr war, ein City ohne Guardiola und Rodri und fünf große Trainerbänke unter neuer Führung: Selten hat ein 1. Spieltag so viele Fragezeichen aufgeworfen."
