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Maradona 1986: die Hand Gottes und das Jahrhunderttor

Fut Simulator Pro··11 Min. Lesezeit

Es gibt Nachmittage, die aufhören, dem Sport zu gehören, und zum Mythos werden. Am 22. Juni 1986 vereinte Diego Armando Maradona im Azteken-Stadion von Mexiko-Stadt in kaum vier Minuten List und Genie, Sünde und Ruhm. Argentinien besiegte England im WM-Viertelfinale mit 2:1, und der Fußball betrachtete sich nie wieder auf dieselbe Weise.

Die Bühne im Azteken-Stadion

An jenem Sonntag füllten mehr als 114.000 Zuschauer die Ränge des Azteca unter einer erbarmungslosen Sonne und auf über 2.200 Metern Höhe. Argentinien kam in Topform, mit einem Maradona im Zustand der Gnade, der bereits gegen Bulgarien und Uruguay geglänzt hatte. England hatte nach zögerlichem Start dank der Tore von Gary Lineker, dem Torschützenkönig des Turniers, zu sich gefunden.

Das Duell versprach Fußball, trug aber etwas Schwereres als ein bloßes K.-o.-Spiel in sich. In der Luft lag eine Spannung, die weit über die Seitenlinien hinausreichte. Beide Mannschaften wussten, dass der Sieger einen Schritt vom Halbfinale entfernt sein würde, doch für Millionen Argentinier hatte dieses Spiel eine Bedeutung, die keine Statistik je messen konnte.

Die Wunde der Falklandinseln

Nur vier Jahre zuvor, 1982, hatten Argentinien und das Vereinigte Königreich den Falklandkrieg geführt, einen 74 Tage langen Konflikt im Südatlantik, der 649 argentinische Soldaten, 255 britische und drei Inselbewohner das Leben kostete. Die Wunde war noch offen, und für einen großen Teil des argentinischen Volkes war dieses Spiel eine Form der symbolischen Wiedergutmachung angesichts eines noch frischen Schmerzes.

Maradona bestritt es vor dem Anpfiff, doch Jahre später gab er die Wahrheit zu. « In jenem Spiel spielten wir nicht nur Fußball, wir spielten für alles, was mit dem Malwinen-Krieg geschehen war », gestand er. Jedes Dribbling trug das Gewicht einer verwundeten Nation: Es war keine militärische Rache, sondern eine kollektive Katharsis, die ein ganzes Volk auf den mexikanischen Rasen ergoss.

51. Minute: die Hand Gottes

Die erste Halbzeit endete torlos. In der 51. Minute steckte Maradona einen Pass in Richtung Strafraum durch, der Ball prallte von der englischen Abwehr ab und sprang zwischen ihm und Torhüter Peter Shilton hoch, der viel größer war und bereits mit den Fäusten hochstieg. Diego sprang, schob den linken Arm mit katzenhafter List vor und beförderte den Ball mit der Faust ins Netz.

Der tunesische Schiedsrichter Ali Bin Nasser sah das Vergehen nicht und gab das Tor unter englischen Protesten. Maradona lief jubelnd los und schielte zu den Unparteiischen, aus Angst, der Treffer könnte aberkannt werden. Als ihn Reporter später fragten, antwortete er mit einem Satz für die Ewigkeit.

"Es war ein bisschen mit dem Kopf von Maradona und ein bisschen mit der Hand Gottes."

55. Minute: das Jahrhunderttor

Kaum vier Minuten später kam die absolute Erlösung. Maradona nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor nahe dem Mittelkreis in der eigenen Hälfte an, drehte sich um sich selbst und stürmte auf das englische Tor zu. In einem Lauf von rund 60 Metern, der kaum zehn Sekunden dauerte, ließ er die halbe gegnerische Mannschaft stehen, ehe er ins fast leere Tor vollendete.

  • Peter Beardsley, schon in den ersten Metern des Antritts überwunden.
  • Peter Reid, der Diego verfolgte, ohne ihn je einzuholen.
  • Terry Butcher, gleich zweimal ausgespielt.
  • Terry Fenwick, an der Strafraumkante stehen gelassen.
  • Peter Shilton, der Torhüter, mit einer letzten Bewegung umkurvt.

Es war das Tor, das die Fans 2002 zum schönsten der WM-Geschichte wählten. Dieselbe Hand, die vier Minuten zuvor gesündigt hatte, signierte nun das reinste Meisterwerk, das je auf einem Fußballplatz zu sehen war.

Der kosmische Drachen von Víctor Hugo

Während Maradona in die Geschichte lief, explodierte der uruguayische Kommentator Víctor Hugo Morales in der Übertragung mit einer Reportage, die so legendär wurde wie die Aktion selbst. Seine brüchige Stimme, den Tränen nahe, gab dem Worte, was Millionen fühlten, ohne es erklären zu können.

"Kosmischer Drachen, von welchem Planeten bist du gekommen, um so viele Engländer stehen zu lassen und das Land zu einer geballten Faust zu machen, die für Argentinien schreit?"

Lineker verkürzt, Argentinien hält stand

England reagierte, und in der 81. Minute köpfte Gary Lineker eine Flanke von links zum 2:1 ein und entfachte die britische Hoffnung neu. Lineker selbst war wenig später nur Zentimeter vom Ausgleich entfernt, doch der Ball rutschte knapp an seinem Fuß vorbei. Argentinien klammerte sich mit Zähnen und Klauen an das Ergebnis, bis der Schlusspfiff einen bereits legendären Sieg besiegelte.

Auf dem Weg zum Weltmeistertitel

Dieser Sieg katapultierte Argentinien zum Ruhm. Im Halbfinale war Maradona mit zwei weiteren Traumtoren gegen Belgien erneut entscheidend. Am 29. Juni 1986 stemmte die Albiceleste im selben Azteca den WM-Pokal in die Höhe, nach einem 3:2 gegen die Bundesrepublik Deutschland, mit Toren von José Luis Brown, Jorge Valdano und einem späten Treffer von Jorge Burruchaga in der 84. Minute.

Rummenigge und Völler hatten für die Deutschen kurzzeitig ausgeglichen, doch Maradonas Vorlage auf Burruchaga besiegelte Argentiniens zweiten Weltmeistertitel. Diego reckte den Pokal als Kapitän empor und gewann den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers, die Krönung der persönlichsten WM der Geschichte.

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