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Griechenland 2004: Der totale Außenseiter wird Europameister

Fut Simulator Pro··11 Min. Lesezeit

Vor Juli 2004 hatte Griechenland in seiner gesamten Geschichte genau zwei Endrunden bestritten: die Europameisterschaft 1980 und die Weltmeisterschaft 1994. Bei beiden holte die Mannschaft nur einen einzigen Punkt, ein torloses Unentschieden gegen Westdeutschland, und schied jeweils sang- und klanglos in der Vorrunde aus. Nie zuvor hatte sie ein einziges Spiel bei einem großen Turnier gewonnen, geschweige denn eine K.o.-Runde erreicht. Drei Wochen später war sie, gegen jede vernünftige Erwartung, Europameister.

Die Mannschaft, auf die niemand setzte

Die oft zitierte Quote liegt bei 150 zu 1. Man sollte sie mit Vorsicht behandeln: Verschiedene Wettanbieter setzten unterschiedliche Quoten an, die Angaben schwanken zwischen 80 zu 1 und 250 zu 1. Unstrittig ist bei jeder Quelle, dass Griechenland als eines der beiden chancenlosesten der sechzehn Teams ins Turnier ging.

Nationaltrainer war Otto Rehhagel, gebürtig aus Essen, als Spieler unauffällig, als Trainer mit einem ungewöhnlichen Werdegang: vierzehn Jahre bei Werder Bremen mit zwei Bundesliga-Titeln und einem Europapokal der Pokalsieger, eine gescheiterte Station beim FC Bayern und vor allem der Bundesliga-Titel 1998 mit dem gerade aufgestiegenen 1. FC Kaiserslautern, ein Kunststück, das seither niemand wiederholt hat. Er betreute Griechenland seit 2001, und die einheimische Presse nannte ihn bereits König Otto.

Das Turnier, Spiel für Spiel

Am 12. Juni 2004 gewann Griechenland im Eröffnungsspiel in Porto mit 2:1 gegen Gastgeber Portugal, mit Toren von Giorgos Karagounis und einem Elfmeter von Angelos Basinas; Cristiano Ronaldo verkürzte in der 90.+1. Minute. Danach folgte ein 1:1 gegen Spanien, und – das gehört zur Ehrlichkeit dazu, um den Weg nicht zu verklären – eine 1:2-Niederlage gegen Russland. Es war kein makelloser Weg: Griechenland wurde nur Gruppenzweiter.

Im Viertelfinale, am 25. Juni, traf man auf den Titelverteidiger Frankreich mit Zidane und Henry. Griechenland gewann 1:0 durch einen Kopfball von Angelos Charisteas in der 65. Minute nach einer Flanke von Kapitän Theodoros Zagorakis.

Das einzige Silbertor, das je etwas entschied

Das Halbfinale gegen Tschechien am 1. Juli wurde nach einer Regel entschieden, die es nur bei diesem einen Turnier gab. Das Silbertor war nicht das Golden Goal: Es beendete das Spiel nicht im Moment des Treffers, sondern verlangte, den Vorsprung bis zum Ende der ersten kompletten Verlängerungshälfte, also der ersten fünfzehn Minuten, zu halten. Glich der Gegner vorher aus, wurde weitergespielt.

Traianos Dellas köpfte eine Ecke von Vasilis Tsiartas in der 105.+1. Minute ein, genau in der Nachspielzeit dieser ersten Verlängerungshälfte. Es war das einzige Silbertor, das je ein Spiel bei einer großen Endrunde entschieden hat, und die Regel wurde nach jener Europameisterschaft wieder abgeschafft. Rehhagel nannte Dellas den Koloss von Rhodos.

Das Finale, das den Kreis schloss

Am 4. Juli 2004 traf Griechenland im Estádio da Luz in Lissabon vor 62.865 Zuschauern erneut auf Portugal. Charisteas köpfte in der 57. Minute eine weitere Ecke ein, und dabei blieb es bis zum Ende. Griechenland war die einzige Mannschaft, die den Gastgeber im selben Turnier zweimal bezwang: im Eröffnungsspiel und im Finale.

Zagorakis wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt, ohne ein einziges Tor erzielt zu haben. Er spielte alle Partien über die volle Distanz und wurde sowohl im ersten als auch im letzten Spiel zum besten Akteur gekürt.

Was an jenem Griechenland falsch erzählt wird

Die bequeme Version lautet, Griechenland habe sich nur verteidigt und sei der langweiligste Europameister der Geschichte gewesen. Spätere taktische Analysen haben das deutlich relativiert. Das Besondere an Rehhagels Ansatz war kein starres Defensivkonzept, sondern dass er das System von Spiel zu Spiel an den Gegner anpasste, mit Manndeckung auf den gegnerischen Schlüsselspieler und ruhenden Bällen als wichtigster Offensivwaffe. Das ist kein Nebendetail: Die Tore, die Viertelfinale, Halbfinale und Finale entschieden, fielen alle drei nach Standardsituationen.

  • Gruppenphase: 2:1 gegen Portugal, 1:1 gegen Spanien, 1:2 gegen Russland.
  • Viertelfinale: 1:0 gegen Titelverteidiger Frankreich.
  • Halbfinale: 1:0 gegen Tschechien durch Silbertor.
  • Finale: 1:0 gegen Portugal in Lissabon.
  • Drei der vier entscheidenden Tore der K.o.-Phase fielen nach Eckbällen.

Der Nachtrag fällt so schroff aus wie der Aufstieg selbst: Europameister Griechenland verpasste nur zwei Jahre später die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2006. Später erreichte man das Viertelfinale der Europameisterschaft 2012 und das Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2014, das beste WM-Ergebnis der Landesgeschichte, doch jener Sommer in Portugal blieb ein isoliertes Ereignis, unwiederholbar und bis heute nicht vollständig erklärbar. Kein Experte, kein Buchmacher und kaum ein griechischer Fan hatte im Juni 2004 auch nur im Ansatz mit so etwas gerechnet.

"Griechenland 2004 bleibt die beste Erinnerung daran, dass ein kurzes Turnier nicht die beste Mannschaft belohnt, sondern jene, die sieben Spiele am besten löst."

Und genau das reizt dazu, es selbst auf die Probe zu stellen: wie oft ein solcher Plan einen K.o.-Turnierbaum übersteht.

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"Öffne den Fußballsimulator, baue dein Bracket und finde heraus, wie oft ein Team gewinnt, dem niemand eine Chance gab."

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